Stephan Fehringer | Dive Instructor | SMS Torpedo Boat 26
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SMS Torpedo Boat 26

SMS Torpedo Boat 26

100 th anniversary of sinking SMS TB 26

For the 100th anniversary of the sinking of the SMS TB 26 (Torpedoboot 26) we met us to commemorate the crew laying down a wreath onto the wreck.

Thanks to Valentina und Davor and their team from Diving Center Shark and Franz Mittermayer for the pictures!

Report written by Franz Mittermayr (launched on Marinearchiv.de in German language)

k.u.k. Torpedoboot 26

Das Schiff, das zweimal starb.

Eine Geschichte über die Betauchung des Wracks 100 Jahre nach dem Untergang und eine kritische Betrachtung der Situation in Kroatien.

23. August 2014 vormittags, graue Wolken bedecken den Himmel und in den Morgenstunden hat ein starkes Gewitter die Ruhe der istrianischen Urlaubsorte gestört, sind wir, eine Gruppe enthusiastischer Sporttaucher mit dem Tauchboot des Diving Center Shark aus Medulin auf dem Weg hinaus auf die offene Adria. Unser Ziel ist das Seegebiet südwestlich der Brionischen Inseln. Aber je weiter wir uns von der Küste entfernen, desto höher wird der Seegang. An unserem Ziel angekommen, ein imaginärer Punkt auf dem Meer, wird das Boot zum Spielball der Wellen. Die Tauchflaschen sind zwar fest verzurrt, doch andere Gegenstände in der Kabine und am Taucherdeck werden quer über das Schiff geschleudert.

Die Bedingungen müssen vor genau einhundert Jahren fast gleich gewesen sein, als damals in den frühen Morgenstunden des 23. August 1914 die 18 Mann Besatzung des k.u.k. Torpedobootes Nr 26 an dieser Stelle im Wasser trieben und um ihr Leben kämpften.

August 1914, nach dem Attentat von Sarajevo hat die Diplomatie versagt und Europa schlittert in den Ersten Weltkrieg. In Pola an der Südwestküste Istriens befindet sich der Hauptkriegshafen der k.u.k. Monarchie und zum Schutz gegen mögliche Angreifer werden großflächige Minenfelder im Seegebiet rund um den Hafen ausgelegt.

Noch während des Auslegens ist am 13. August 1914 der Luxusdampfer BARON GAUTSCH durch das Fehlverhalten der Schiffsführung in das Minenfeld gefahren und gesunken

Die Taucher die sich an der Reling anhalten müssen um selbst nicht in das stürmische Meer geschleudert zu werden blicken in die Wellen. Nichts erinnert mehr daran, dass sich hier vor 100 Jahren eine Tragödie abgespielt hat und 11 Seeleute der k.u.k. Kriegsmarine ihr junges Leben verloren haben. Der mitgeführte Kranz an Bord soll ihrem Schicksal Gedenken.

Wir müssen, ohne Tauchen zu können die Stelle verlassen und hoffen auf den morgigen Tag.

Bei der Rückfahrt erinnern wir uns daran was genau vor 100 Jahren hier geschehen ist.

Das k.u.k. Torpedoboot 26 befand sich in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1914 auf auf Wachposition südwestlich des Hauptkriegshafen Pola, als sich um 02.30 Uhr steuerbord achtern eine heftige Explosion ereignete. MIt Scheinwerfersignalen wurde das Küstenfort Verudella über das Unglück alarmiert. Es wurde geantwortet, dass zwei Torpedoboote zur Rettung auslaufen würden. Die Jolle und das Rettungsfloß wurden zu Wasser gelassen. Da vorerst schwimmfähig gebliebene Torpedoboot begann gegen 03:30 Uhr schnell zu sinken und die Besatzung verlies das Boot.

Es herrschte Bora mit starkem Wellengang. Die kleine Jolle war bald vollgeschlagen und die Seeleute wurden durch den Kampf gegen die Wellen erschöpft und immer weniger konnten sich über Wasser halten. Als die Torpedoboote 20 und 30 um ca 08.45 Uhr endlich am Unglücksort eintrafen, waren nur mehr der Kommandant und sechs Matrosen am Leben. Der Seekadett und 10 Mann waren ertrunken.

Warum die zur Hilfe geschickten Boote so lange brauchten wurde nie geklärt. Als Ursache für das Unglück wurde angenommen, dass eine losgerissene Mine des eigenen vor Pola gelegten Minefeldes die Explosion hervorgerufen haben könnte.

Am folgenden Tag war das Wetter deutlich besser, es erinnerte daran, dass Sommer war und wir schon zeitig los. An der Wrackposition war es im Vergleich zum Vortag angenehm ruhig. Wir glitten an der Abstiegsleine in die Tiefe. Die Sicht verschlechterte sich jedoch oberhalb des Wracks deutlich. Als wir den Bereich des ehemaligen Schornsteines erreichten, legten wir den Kranz nieder und gedachten der Opfer des Schiffsunterganges.

Danach schwammen wir in Richtung Bug um zu dem Vorderschiff zu gelangen. Ich hatte das Wrack schon mehrmals betaucht und wusste, dass der Vorderteil des Torpedobootes gut erhalten war. Man konnte durch den Steuerstand in den Mannschaftsraum eintauchen und gelangte darin weiter nach vor bis zum Bugtorpedorohr. In diesem Bereich hatte ich früher die eindrucksvollsten Fotos vom Wrack machen können.

Doch vor dem Maschinenraum sah ich nur noch Trümmerteile. Mit Entsetzen mussten wir feststellen, dass das gesamte Vorderschiff zerstört ist. Durch die Lage der Trümmerteile und der massiven Zerstörungen auch von ehemals stabilen Bauteilen, ist zu erkennen, dass der Rumpf nicht einfach durch die Korrosion und das Alter eingebrochen war, sondern durch massive Gewalteinwirkung zerstört worden ist. Für solch eine Einwirkung kommt am ehesten die Gewalt eines großen Schleppnetzes Frage.

Traurig darüber, dass im hundertsten Jahr nach dem Untergang, das Wrack eines k.u.k. Kriegsschiffes bei dessen Untergang 11 Menschen sterben mussten, Ignoranz oder die Absicht die letzten biologischen Ressourcen des Meeres in Gewinnsucht auszubeuten bzw. zu erbeuten, dazu führten ein Mahnmal des Ersten Weltkrieges zu zerstören schwamm ich über die Trümmer und fotografierte sie.

Es ist eben so, dass Schiffswracks Rückzugsorte für viele Fischarten bilden und deswegen die Fischer angelockt werden.

Das Torpedoboot 26 musste sinnlos ein zweites Mal sterben und ist nun als Einnahmequelle für viele istrianische Tauchbasen als verloren, doch durch die Unterwasserfotos soll es in Erinnerung behalten werden.

Es ist sehr sonderbar, die vielen Schiffs- und Flugzeugwracks, die in der kroatischen Adria liegen, als schützenswerte Kulturgüter und als Kriegsgräber gelten. Sehr viele stehen unter besonderen gesetzlichen Schutz. Das Tauchen ist entweder ganz verboten oder nur mit starken Auflagen, die vor allem mit Zahlen einer Gebühr verbunden sind, gestattet. Es gibt sehr viele Positionen wo an dieser und im Umkreis von 300 Meter absolutes Tauchverbot besteht.

Es wird der Eindruck erweckt, dass die Sporttaucher und Unterwasserfotografen, die größte Gefahr für die Wracks darstellen .

Das gilt offenbar nicht für Fischer. Schleppnetzfischer dürfen offensichtlich bei jedem Wrack vorbeifahren oder mit dem Netz darüberfahren. Das dabei, hauptsächlich Flugzeugwracks und alte historisch bedeutsame Schiffswracks, beschädigt oder zerstört werden ist egal.

Hier wurde nun ein geschichtlich interessantes Wrack, bei dessen Untergang 11 Menschen gestorben sind und deswegen auch ein Grabmal darstellt, zerstört. Wurde der Fischer deswegen zur Verantwortung gezogen. Ein tauchender Urlaubsgast, der an einer geschützten Stelle taucht, aber keinen Schaden anrichtet, wird aber streng bestraft.

Man soll sich auch an die Geschichte des amerikanischen Bombenflugzeuges B 24 „Petit Fleur“ vor der Küste von Hvar erinnern. Es wurde fotografiert, identifiziert und großartige Geschichten geschrieben. Doch als ein oder zwei Jahre später ein Schleppnetzfischerboot über das Wrack fuhr und es zerstörte hat das niemanden mehr interessiert. In den Zeitungen erschien von den kroatischen Tauchern und Marinehistorikern kein Artikel über diese Zerstörung.

Das amerikanische Bombenflugzeug B 24 „Tulsaamerica“ vor der Insel Vis ist gleich nach der Entdeckung und den ersten Artikeln in kroatischen Zeitungen für alle anderen Taucher „gesperrt“ worden. Zum Schutz und Erhaltung des Kulturgutes sagt man. Gibt es dort auch ein Verbot für die Arbeit der Schleppnetzfischer? Oder soll nur verhindert werden, dass andere Taucher ebenfalls das Flugzeug fotografieren dürfen? Solche Beispiele gibt es noch mehrere.

Wenn der kroatische Staat ernsthaft an den Schutz seiner Kulturgüter unter Wasser denkt, sollten diese auch vor den Zerstörungen durch die Fischerei geschützt werden. Man hat den Eindruck die bisherigen Gesetze dienen dazu, dass nur eine bestimmte kroatische Taucherelite an den Wracks Tauchen darf (denn es dürfen doch nur bestimmte kroatische Taucher die in kroatischen Gewässern liegende Wracks dokumentieren) aber ein wirklicher und wirksamer Schutz von Kulturgütern und Kriegsgräbern egal ist.

 

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